6×6 Abzüge

Bereits vor zwei Tagen erwähnte ich ja, dass ich noch einen 120er Rollfilm entwickeln wollte. Wie gesagt, so getan. Da ich in letzter Zeit hauptsächlich Kleinbild entwickelt habe, wurde die Zweiäugige von mir etwas vernachlässigt. Und wie das dann so ist, kann ich mich nicht immer genau daran erinnern, was noch mal alles auf dem Film drauf war. So waren auf diesem jetzt Bilder aus einem Trip nach Magdeburg diesen Herbst, ein paar Bilder, die ich letztens auch bei Thyssen in Essen gemacht habe, etwas aus Oberhausen, und sogar noch welche aus dem schönen Brügge.

Unter anderem das macht für mich auch den Reiz analoger Fotografie aus. Mit der digitalen geht alles viel schneller und einfacher. Man kann die fertigen Bilder bereits direkt nach der Aufnahme kontrollieren (oder bei meinen Olympus sogar vor der Aufnahme) und ggf. einen weiteren Versuch starten. Und auch die Nachbearbeitung (wenn man denn überhaupt eine vornehmen möchte) geht natürlich viel schneller. Negative hingegen müssen nach dem Belichten erst einmal entwickelt werden. Jeder, der das schonmal gemacht hat, weiß genau ,wie viel Zeit dies in Anspruch nimmt. Nicht nur, weil der Vorgang an sich etwas dauert, sondern auch deshalb, weil es gewisser Vor- und Nachbereitung bedarf. Außerdem ist es damit ja noch lange nicht getan. Ja, ich weiß, entwickelte Negative habe, zumindest für mich, schon etwas magisches. Nur um diese auf eine gescheite Größe zum betrachten zu bringen, muss man diese dann ja auch erstmal vergrößern. Da gibt es dann übrigens meinen nächsten magischen Moment. Und zwar der, wenn man das belichtete Papier in den Entwickler legt und nach ein paar Sekunden die ersten Schwärzungen im Bild sieht. Von Sekunde zu Sekunde nehmen diese zu. Man bekommt immer mehr Details zu Gesicht, bis das Fotopapier letztendlich ausentwickelt ist und man den fertigen Abzug begutachten kann. Aber nein, selbst damit ist es noch nicht getan, da das Bild für die nachhaltige Betrachtung noch fixiert, gewässert und getrocknet werden muss.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Natürlich ist der Prozess an sich bei der digitalen Fotografie nichts anderes (da fällt mir ein, dass ich die ganzen Arbeitsschritte bei Gelegenheit ja mal gegenüberstellen könnte…). Nur es geht halt doch alles schneller und einfacher. Das ist sicherlich der Grund, weshalb analoge Abzüge etwas besonderes sind.

Die letzten Fotos vom Thyssen Hauptsitz (meiner Meinung nach übrigens ein sehr interessant gestaltetes Gelände!) sind übrigens im Zuge eines Projektes, für eine sicherlich demnächst stattfindende Ausstellung (genaueres dann natürlich hier), entstanden. Und zwar liebe ich es momentan sich spiegelnde Gegenstände (zur Zeit hauptsächlich noch Architektur) abzulichten und diese danach zu drehen, so dass etwas vollkommen neues entsteht. In diesem Falle eine Art Nummer 5.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Diese Symmetrie, die aber doch etwas unterbrochen wird, da sie durch die Spiegelung eben doch nicht genau gleich ist. Bei diesen Beispielen kommt jedoch noch mit hinzu, dass die Kamera nicht exakt ausgerichtet war. Aber ich habe gestern eh nur ein paar Probeabzüge gemacht und evtl. lässt sich das am Vergrößerungsapparat noch korrigieren. Ansonsten wohne ich zum Glück ja nicht all zu weit von Essen entfernt. 😉 Die Schwärzung am Bildrand entsteht übrigens wenn man das Papier nicht vernünftig in die Packung zurückgesteckt hat, aber trotzdem das Deckenlicht angemacht hat. Und mit dieser Schwärzung verabschiede ich mich dann auch in die schwarze Nacht.

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lens flares

Vielen Leuten ein Fluch und das sicherlich auch zu Recht. Möchte ich nämlich z. B. ein vollkommen sauberes Bild haben werden flares doch oft als störend empfunden (können sie auch je nach Objektiv und Motiv wirklich merkwürdig aussehen). Das gute in meinem Falle ist aber, dass ich genau das nicht möchte. Bzw. ich viel mehr möchte ich zeigen, dass man lens flares auch gezielt in den Motivaufbau mit einbeziehen kann, sich diese also zu Nutzen machen.

Besonders gut eignet sich hierfür das Olympus Zuiko Digital 7-14mm, f4. Von vielen auch die „Kristallkugel“ genannt und quasi ein Spezialist für flares. Ein sicherlich eher spezielles Objektiv. Aber da es optisch sehr gut auskorrigiert ist nutze ich es sehr gerne für Architekturaufnahmen. Hier aber erstmal ein Beispiel um euch zu zeigen, was ich meine (übrigens entstanden im Sommer ´16 in der Jameos del Agua auf Lanzarote. Einer sehr beeindruckenden Kunststätte integriert in eine Grotte und entworfen von dem Künstler dort, César Manrique. Überhaupt könnte man meinen die gesamte Insel bestünde nur aus seiner Kunst, beeindruckender Architektur usw.):OLYMPUS DIGITAL CAMERADa ist Motivmäßig natürlich noch Spielraum nach oben. Aber dieses gewaltige lens flare ist doch schonmal eine Ansage. Erinnert es doch ein wenig an Saurons Auge. Mich und ein paar andere Betrachter zumindest.

Um diesen Effekt jetzt aber wirklich nochmal richtig aus zu nutzen, habe ich letzte Tage dem hier kalten Wetter getrotzt um mit meiner Kamera einen Ausflug zur FH Bottrop zu machen. Dort angekommen baute ich erstmal das Stativ auf und suchte mir ein gutes Motiv. Ein wenig dramatisch sollte es sein, was für mich immer gut mit stürzenden Linien funktioniert. Aber dadurch entstehen natürlich noch keine lens flares, weshalb im besten Falle noch ein paar Spotlights mit im Bild sein sollten. Ein solch passendes Motiv war zum Glück schnell zu finden und jetzt galt es das Objektiv flare-mäßig richtig auszukitzeln. Es bedarf etwas Übung und sicherlich auch etwas Glück, aber dafür wird man dann mit so etwas belohnt:OLYMPUS DIGITAL CAMERADie lens flares wirken auf mich wie Zielvisier, oder Laser der ins Nichts geschossen wird. Vielleicht ist es mir sogar mal möglich den Mond in die Mitte der flares zu fotografieren.

Hier nochmal mit etwas mehr stürzenden Linien:OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und hier das komplette Gegenteil (nur fix am PC bearbeitet und dadurch natürlich mit viel Verschnitt):OLYMPUS DIGITAL CAMERA

So, jetzt werde ich aber noch einen 6×6-Film entwickeln, bevor es dafür zu spät ist…